Laudatio auf Haifa al-Mansour und Ja'far Panahi - Oktober 2016


Laudatio auf Haifa al-Mansour („Wajda“) und Ja‘far Panahi („Taxi Teheran“)
anlässlich der Verleihung des 6. Immanuel-Kant-Weltbürger-Preises

am 1. Oktober 2016


(english version see below)

Überraschender hätte die Wahl der diesjährigen Träger des Kant-Weltbürgerpreises kaum ausfallen können. Iran und Saudi-Arabien und überhaupt der Nahe Osten gelten in der Wahrnehmung einer breiten Öffentlichkeit nicht nur in Deutschland nicht gerade als Räume, in denen das Licht kantischer Rationalität, Aufklärung, Toleranz und Friedensordnung besonders hell leuchtete.

Es zeugt wahrlich von weltbürgerlichem Weitblick, das Augenmerk auf die Nachbarschaft Europas zu lenken, die im Augenblick eine dramatische Krise durchläuft. Viele Beobachter vergleichen den Nahen Osten mit der Zeit des 30-jährigen Krieges in Europa. Innerstaatliche Unterdrückung, kriegerische Konflikte, Instrumentalisierung der Religion, massive äußere Einmischung – Opfer sind die Menschen, die millionenhaft fliehen.

Welch ein Optimismus der Jury, in diesem Dunkel das Licht zu suchen; wir bewundern ihren Scharfblick, es in unseren Preisträgern gefunden zu haben. Es sind Lichter, die das Ende des Tunnels wenigstens erahnen lassen.

Ja‘far Panahi lebt in der Islamischen Republik Iran; Haifa al-Mansour ist Bürgerin Saudi-Arabiens. Beide Staaten könnten unterschiedlicher nicht sein, obwohl sie, getrennt durch den Golf, Nachbarn sind. Iran ist ein uraltes Land; es hat unterschiedliche Kulturen und Religionen gesehen; seit mehr als 500 Jahren ist es vom schiitischen Islam geprägt. Saudi-Arabien entstand in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts; vom Beginn an war es durch den konservativen sunnitischen Islam der Wahhabiyya geprägt. Die Tatsache, dass die Städte Mekka und Medina auf seinem Boden liegen, gibt der Staatsführung und Gesellschaft eine besondere religiöse Prägung.

Beide Staaten haben im 20. Jahrhundert unterschiedliche Wege eingeschlagen: Iran hat zwei Revolutionen gesehen; beide hatten dasselbe Ziel: die Dominanz der westlichen Großmächte abzuschütteln und konstitutionelle, ja demokratische Formen der Regierung zu etablieren. Die erste (1905-1908) mündete nach Irrungen und Wirrungen in der Errichtung der Herrschaft der Pahlawi-Dynastie; die zweite (1978/79) war das Vorspiel zu der Errichtung einer Islamischen Republik. Nach dem von Ayatollah Khomeini eingeführten Prinzip der „Herrschaft des anerkannten Gottesgelehrten“ (persisch: vilayat-e faqih; arabisch: vilayat al-faqih) obliegt dem religiösen Führer und der hohen schiitischen Geistlichkeit die Führung in Staat und Gesellschaft.

Die Geschichte Saudi-Arabiens verlief ohne die Brüche, die die Geschichte Irans kennzeichnen. Sie hat aber auch nicht den weiten historischen Horizont. Zwar war das Königreich seit seiner Gründung (1932) Teil der arabischen Welt, die sich zwischen dem Irak im Osten und Marokko im Westen in einem Aufbruch und Umbruch befand. Das Königreich aber schottete sich ab; und die Stürme in der arabischen Welt gingen an ihm vorbei. König Abd al-Aziz ibn Sa’ud, der Staatsgründer, übte bis zu seinem Tod (1953) eine absolute Herrschaft aus; bis in die Gegenwart liefert das wahhabitische theologische Establishment mit seiner konservativen sunnitischen Interpretation des Islams die ideologische Grundlage der Herrschaft.

An einem Punkt freilich berühren sich die Geschicke beider Länder: Das Erdöl – und seit einer Reihe von Jahrzehnten auch das Erdgas - sind die Grundlage ihrer wirtschaftlichen Existenz. Dieser Tatbestand aber hat auch den politischen und gesellschaftlichen Raum bestimmt – dies in doppelter Weise: Nach innen hatten und haben die Herrschenden die Mittel an der Hand, ihre Position auf ein aus den Erdöleinnahmen akkumuliertes Fundament zu stellen. „No taxation without representation“, das ist die Grundformel der Demokratie. Aber wo keine Besteuerung stattfindet, wo die Einkommen des Staates aus einer Öl-Rente fließen, kann der Bürger auch keine Forderung geltend machen, an dessen Regierung teilzuhaben.

Die Frage aber, ob das Öl Fluch oder Segen für die Gesellschaften des Nahen Ostens war, stellt sich auch in einer breiteren Perspektive. Die Einbindung in die Weltwirtschaft beinhaltete von Anfang an einen Zusammenstoß zwischen politischen und kulturellen Ordnungen. Wirtschaftliche Entwicklung war nicht zu haben ohne Anpassung. Was unter dem Stichwort der „Modernisierung“ so technokratisch daherkam, war ein dramatischer Zusammenstoß überkommener Ordnungen und kultureller Traditionen mit den politischen, gesellschaftlichen und kulturellen „Errungenschaften“ der Mächte, die das Marktgeschehen bestimmten. Diese „Errungenschaften“ hatten einen Namen: „der Westen“. Bedeutete Modernisierung Anpassung und Selbstaufgabe? Wie war das Überkommene zu bewahren? Für islamisch geprägte Gesellschaften war dies wesentlich die Frage nach dem Platz der Religion. War Modernisierung gleichbedeutend mit Säkularisierung? Bedeutete Säkularisierung sogar das Verschwinden der Religion?

Ein iranischer Intellektueller, Dschalal Al-e Ahmed, hat diesen Zusammenstoß als „ghargzadegi“, als das „Geschlagensein vom Westen“ bezeichnet. Dieses Wort könnte auch über der Befindlichkeit weiter Teile der arabischen Gesellschaften im 20. Jahrhundert stehen. Was sind die Optionen, die dem Geschlagenen bleiben: Die kemalistisch-türkische Hingabe an das westliche säkulare Muster? Auch die Pahlawi-Dynastie in Iran hat diesen Weg beschritten. Ebenso - wenn auch in weniger radikaler Form - arabische Eliten in Nordafrika und im Nahen Osten. In der Gegenwart scheint der gewalthafte Kampf für die göttliche Ordnung auf Erden, die „hakimiyyat Allah“ eine Option.

In Iran hat das Volk eine Revolution gemacht und einen Herrscher, der als eine Marionette Amerikas erschien, gestürzt. Herausgekommen ist eine „Islamische Republik“, eine Synthese zwischen einer republikanischen, also modernen, dem Volkswillen verpflichteten Ordnung in schiitisch-islamischen, der Tradition verpflichteten Koordinaten. In Saudi-Arabien stemmt sich vor allem das religiöse Establishment gegen den Wandel. Aber die Auseinandersetzung zwischen den auf Wandel drängenden und den beharrenden Kräften der überkommenen Ordnung hat auch dort längst begonnen und gewinnt an Dynamik.

Dies sind die Hintergründe, vor denen wir unsere Preisträger verorten: In ihren Filmen, „Wajda“ von Haifa al-Mansour und „Taxi Teheran“ von Ja‘far Panahi. Nicht die große Politik wird thematisiert. Im Mittelpunkt stehen Menschen mit ihren Kümmernissen und Hoffnungen; den Listen aber auch, mit denen sie in ihrem täglichen Leben den Begrenzungen zu entkommen suchen, die ihnen durch enge Tradition oder politische Schikanen gesetzt sind. Keine radikalen Proteste, sondern Äußerungen eines Unbehagens; Fingerzeige in die Richtung auf Veränderung.

Wie in Europa haben in Iran und bei den arabischen Völkern Proteste, Veränderungen und Wandel in zwei Gattungen der Kunst und Literatur ganz besonders eindringlich ihren Niederschlag gefunden: der erzählenden Prosa, also dem Roman und der Novelle; und - in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts – des Films. Zentrum des literarischen Schaffens im arabischen Raum nach dem 1. Weltkrieg war zunächst Ägypten. Das Land war nach der Besetzung durch England 1882 nur noch nominell Teil des Osmanischen Reiches gewesen und hatte aus Europa kommenden Ideen und Kunstformen relativ breite Spielräume der Entfaltung geboten. So ist es kein Wunder, dass der einzige arabische Träger des Nobelpreises für Literatur ein Ägypter ist: Naguib Machfuz im Jahr 1988. Seither hat eine literarische Explosion den arabischen Raum erschüttert. In seiner erzählenden Literatur ist dieser nicht der öde Raum, als den ihn die arabische Politik bisweilen erscheinen lässt. Frauen exponieren sich als Autorinnen in der Gegenwart mit hohem kritischem Profil. In ihren Romanen fallen Tabus, die die Gesellschaft über Jahrhunderte gefesselt haben. Wenn Verbote verhängt werden, finden sich Wege und Orte, an denen ein Manuskript veröffentlicht werden kann. Die Literatur in Nordafrika kommt aus Frankreich in französischer Sprache, wenn das Publizieren in Arabisch nicht möglich oder nicht gewollt ist.

Saudi-Arabien ist nicht der Ort, an dem kritische Literatur en vogue ist; das wird nicht verwundern nach dem, was zuvor gesagt wurde. Aber außerhalb des Landes wurde viel Kritisches geschrieben. Am bekanntesten wohl das vielbändige Panorama, in dem Abd ar-Rahman Munif den Einbruch beschreibt, der mit dem Eindringen der Ölwirtschaft in Saudi-Arabien verbunden war. Der dem Roman „Salzstädte“ vorangestellte Spruch konnte schwerlich den Beifall der Herrschenden finden: „Salzstädte sind Siedlungen, die keine dauerhafte Existenz ermöglichen. Wenn Wasser eindringt, lösen schon die ersten Wellen das Salz auf, und diese großen gläsernen Städte versinken im Nichts“.

Iran hat eine lange Tradition des epischen Erzählens. Die Gerechtigkeit des Herrschers ist ein Thema, das die Dichter umgetrieben hat. Durch die Jahrhunderte haben die Iraner mit ihren großen Dichtern gelebt – den Lyrikern und den Epikern. In der Geschichte von Unterdrückung und Gewaltherrschaft war die Dichtung das Licht des Volkes. Im 20. Jahrhundert hat der Roman das Epos abgelöst. Neben der Flucht aus der Welt – etwa bei Irans wohl bekanntestem Erzähler, Sadek Hedayat - ist das Leiden an Unterdrückung und Entfremdung ein anderes großes Thema zeitgenössischer Autoren – so bei Mahmud Doulatabadi. Wie ihre arabischen Kollegen mussten auch iranische Autoren mit Verboten leben. Viele kritische Erzählungen kursierten heimlich oder wurden im Ausland publiziert. Für die starke Verbundenheit der Iraner mit der Literatur stehen der Mut und die Nachdrücklichkeit, mit der sich ein selbstbewusster Schriftstellerverband immer wieder zu Wort meldet. Dabei geht es um die Freiheit der Literatur ebenso wie um die Freiheit des Schriftstellers von Schreibeverbot und Gefängnis.

Gleichwohl – die Literatur als Ausdruck von Ideen, Kritik und von der Befindlichkeit der Menschen in ihrer Gesellschaft findet nur ein begrenztes Publikum. Der Film hat eine ungleich größere Verbreitung und stärkere Wirkung. Das gilt sowohl für Iran als auch für zahlreiche arabische Länder – Saudi-Arabien freilich hat hier noch einen langen Weg zu gehen. Das iranische Publikum verehrt seine großen Filmemacher wie Heilige. Am 7. Juli dieses Jahres starb Abbas Kiarostami, einer der bedeutendsten Regisseure des künstlerischen Films in Iran. „Trauer liegt auf den Schultern der Stadt“ titelte seinerzeit die in Teheran erscheinende Tageszeitung „Schahrwand“. Mehrere Tausend Bewunderer des Filmemachers nahmen an der Trauerfeier teil. Mit Stolz reagieren die iranischen Fans auf die Erfolge iranischer Filme bei zahlreichen internationalen Wettbewerben im Ausland. Das ist die eine Seite.

Die andere Seite wird in der Tatsache deutlich, das Ja’far Panahi heute nicht anwesend sein kann, um den Preis persönlich in Empfang zu nehmen. Er hat Reiseverbot. Denn den konservativen Kreisen im politischen System der Islamischen Republik ist jeder Film verdächtig. Sie wollen eine positive Botschaft, die das System vorbehaltlos bejaht. Die Sorgen der Menschen, das Private, das außerhalb der Sphäre des Religiösen liegt, die Flucht aus der Öffentlichkeit in das Intime, die Distanz zu den Parolen der Regierenden – all dies erscheint ihnen subversiv. Es erscheint ihnen als Versuch, das Fundament des religiös geprägten Systems zu unterminieren. Auch könnte mit dem Film Gedankengut aus dem Westen, namentlich aus den USA, dem „großen Satan“, importiert werden. Panahis Filme, so auch sein Film „Taxi Teheran“, sind Beispiele dafür. Zensur, Berufsverbote, Gefängnis, Ausreisesperren sind die Reaktion. Dies auch dann, wenn die Filme heiter daherkommen – wie „Taxi Teheran“ oder – noch lustiger – „Offside“; ein Film der davon handelt, wie junge Frauen entgegen dem Verbot versuchen, sich in das Stadion zu schleichen, um das Fußballspiel Iran gegen Bahrain zu sehen. Wie unterschiedlich die Wahrnehmung zwischen dem Filmemacher und dem Publikum auf der einen und den Vertretern des Regimes auf der anderen Seite sein kann, zeigte seinerzeit auch der Fall des mit der Goldenen Palme in Cannes ausgezeichneten Films „Der Geschmack der Kirsche“ von Kiarostami. Er erzählt von einem Iraner, der Selbstmord begehen will und nach jemandem sucht, der seinen Leichnam begräbt. Aus der Sicht des Regisseurs ist der Film ein Loblied auf das Leben; in konservativen Kreisen in Iran wurde er dagegen offiziell als Ermunterung zum Suizid gedeutet und als schädlich abgelehnt. So gab es unter ihnen auch kaum Reaktionen auf den Tod von Kiarostami.

Auch im arabischen Raum findet der Film großes öffentliches Echo. Insbesondere ägyptische Filme haben hohen Unterhaltungswert und finden überall Verbreitung. Aber auch der arabische Film kennt die kritische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft. Saudi-Arabien bildet noch eine Ausnahme; in dem vom wahhabitischen Islam geprägten Land ist der Film als Kunstform und als Medium kritischer Auseinandersetzung mit Politik und Gesellschaft noch nicht wirklich akzeptiert. Öffentliche Kinos gibt es nicht; wer ins Kino gehen will, muss sich in die benachbarten kleinen Emirate begeben. Dabei waren mit der Erschließung des Landes durch amerikanische Ölgesellschaften seit den dreißiger Jahren durchaus Kinos ins Land gelangt: Von Anfang an aber waren sie dem religiösen Establishment ein Dorn im Auge – wie alles, was nicht im Koran oder mit konservativ-islamischen Traditionen im Einklang steht. Der Öffnungsprozess des Landes verlief dornig: und was aus „dem Westen“ kam, stieß auf Zurückweisung. Die Einführung des Fernsehens bedurfte des nachdrücklichen Einsatzes von König Faisal. Als dieser 1974 ermordet und 1979 die Große Moschee in Mekka von wahhabitischen Fanatikern besetzt wurde, die auch das Königshaus des Verrats und des Abfalls vom wahren Islam bezichtigten, reagierte der Staat auf Druck der Theologen defensiv; das Land verschloss sich wieder. Symbolisch stand dafür auch das Verbot, öffentlich ein Kino zu betreiben. Filme konnten nur noch in den eigenen vier Wänden gesehen werden.

Haifa al-Mansour hat mit „Wajda“ eine kleine Revolution vollbracht. Mit Recht wird immer wieder die Tatsache unterstrichen, dass es sich bei dem Film um den ersten vollständig in Saudi-Arabien gedrehten Spielfilm handele. Wenn das Mädchen Wajda am Ende des Films auf dem grünen Fahrrad, das sie sich so lange gewünscht hat, ins Land hinausradelt, dann ist zu erwarten, dass Frauen in Saudi-Arabien bald auch werden Auto fahren dürfen. Das Geld für das Fahrrad hat Wajda von ihrer Mutter bekommen; eine Geste der Auflehnung dagegen, dass ihr Mann, der Vater des Mädchens, sich ohne ihr Einvernehmen eine zweite Frau nimmt. Und eine subtile Kritik an der Tradition. Wie “Taxi Teheran“ auch ist „Wajda“ ein gesellschaftskritischer Film.

Bei allen Unterschieden zwischen den historischen, politischen, gesellschaftlichen, und kulturellen Gegebenheiten in Iran und Saudi-Arabien haben die beiden Filme viel Gemeinsames. Zum einen den Verzicht auf die dramatische revolutionäre Geste. Die Botschaft kommt sanft daher; und es werden nicht die großen Forderungen nach einem fundamentalen Wandel des Regimes oder des politischen Systems gestellt. Der tiefe Schmerz – zum Beispiel der Mutter Wajdas über die Zweitfrau ihres Mannes – kommt fast lautlos, aber gleichwohl unüberhörbar daher. Und die Probleme der Passagiere des Taxis haben auch eine heitere Pointe. Panahis Film „Offside“ ist zum Umfallen komisch und beinhaltet gleichwohl ein starkes und nicht zu überhörendes Argument für die Gleichheit an Würde und Rechten der Frau und des Mannes. Dahinter steht die Überzeugung, dass nach Lage der Dinge umstürzlerische Forderungen zwecklos sind, ja dass sie in die Hände der Hardliner spielen und die Systeme eher noch verfestigen würden. Der Wandel kommt eben auf Taubenfüßen. Und die bestehende Ordnung wird nicht vollständig verworfen; sie trägt auch akzeptable Züge. Auch die Proteste der Grünen Bewegung in Iran von 2009, die Panahi unterstützt hat, forderten Reformen und nicht den radikalen Regimewandel.

Gemeinsam ist unseren beiden Preisträgern auch der Focus auf der Rolle der Frauen: Sie stehen in beiden Gesellschaften, der saudischen und der iranischen, vor besonderen Herausforderungen. Sie müssen sich in Umfeldern behaupten, die männlich dominiert sind. So ist bemerkenswert, das „Wajda“ von einer Frau gedreht wurde. (Auch in Iran spielen Frauen in der Filmkunst eine große Rolle.) In „Wajda“ geht es um Themen, die spezifisch Frauen betreffen: Nach den in Saudi-Arabien geltenden islamischen Moralvorstellungen dürfen diese nicht Fahrrad fahren. Das gilt auch für Iran (wo sie freilich im Unterschied zu Saudi-Arabien Auto fahren dürfen). Und es bedeutet eine Auflehnung, dass Wajdas Mutter, die hinnehmen muss, dass ihr Ehemann eine zweite Frau heiratet, den Wunsch des Mädchens erfüllt und ihr ein Fahrrad schenkt. Panahi lässt eine bekannte Frauenrechtlerin, Nasrin Sotudeh, auf dem Weg zu einer Mandantin in sein Taxi einsteigen. Diese hatte mit Freundinnen ein Volleyballspiel ansehen wollen und sitzt deswegen in Untersuchungshaft. Tatsächlich engagieren sich in Iran viele Frauen für die Verwirklichung der Menschenrechte und tragen Kämpfe aus, die sie selbst gefährden. Shirin Ebadi ist dafür 2003 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Dass sie bei der Preisverleihung kein Kopftuch getragen hat, ist bei den Konservativen in Iran auf Kritik und Empörung gestoßen. Gegenwärtig lebt sie in England. Und jenseits des Films lässt ein Blick in die iranische und in die arabischen Gesellschaften – auch die saudische – erkennen, dass die Frauen Träger des Wandels sind; haben sie doch mehr zu gewinnen als Männer. Den Weg über die Bildung, der ihnen geöffnet ist, haben sie längst eingeschlagen. Die Verwirklichung von Frauenrechten ist der Maßstab für das Ausmaß des Wandels in beiden Gesellschaften.

Die Zukunft islamischer Gesellschaften gehört wesentlich den Frauen. Sie gehört aber auch den Kindern (wiederum dem weiblichen Teil unter ihnen). Auch darin sind sich Haifa al-Mansour und Ja’far Panahi nahe. Panahis Nichte, die er im Taxi von der Schule abholt, soll als Hausaufgabe einen Film drehen. Und während sie vom Wagen aus Aufnahmen macht, räsoniert sie über die Einschränkungen, die die islamische Moral den Filmemachern auferlegt. Und die Mutter von Wajda beschenkt ihre Tochter mit dem „unsittlichen“ Fahrrad in der Überzeugung, dass sie als erwachsene Frau einst in einer Gesellschaft leben wird, in der nicht länger überkommene Moralvorstellungen der Anerkennung der Würde der Frau – auch mit Blick auf die Mehrehe - entgegen stehen.

Noch etwas haben beide Preisträger gemeinsam: Sie kommen aus tief widersprüchlichen Gesellschaften. Ja, Tatsache ist, dass die Zahl der Hinrichtungen in Iran pro Jahr die zweithöchste in der Welt ist. Auch in Saudi-Arabien sind Hinrichtungen – auch öffentliche – an der Tagesordnung; und es werden Menschen, Männer wie Frauen, die gegen eine sogenannte „islamische Moral“ verstoßen haben, unwürdig ausgepeitscht. Aber zugleich hat der Wandel längst begonnen. Ihre Filme wären gar nicht möglich gewesen ohne Freiräume im politischen und gesellschaftlichen Raum, ohne die es unmöglich ist, sie zu drehen. In Iran ist die Schlacht um die Freiheit der Kunst in vollem Gange. Während die Konservativen den Tod von Kiarostami tot zu schweigen bemüht waren, twitterte Staatspräsident Ruhani, Kiarostami habe in seinem Werk zu Frieden und Freundschaft aufgerufen. „Seine tiefsinnige und unkonventionelle Einstellung …wird uns immer in Erinnerung bleiben.“ Und Kulturminister Ali Dschannati bezeichnete den Filmemacher als „einen Avantgardisten mit dem Anspruch eines Humanisten und Moralisten“. Und so verstehen wir die Tatsache, dass Ja’far Panahi heute nicht bei uns in Freiburg sein kann, nicht als Ausdruck eines Verdikts der iranischen Gesellschaft gegen ihn und sein Metier, sondern als Teil eines anhaltenden Ringens um die Zukunft Irans, das alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens, und ganz besonders auch das künstlerische Schaffen erfasst hat.

Eine Frage wird im Hintergrund sichtbar, nicht aber offen und direkt aufgeworfen: Die Frage nach der Rolle der Religion in der Gesellschaft. Die Antwort darauf aber ist für die Zukunft beider Gesellschaften, der iranischen wie der saudi-arabischen – und darüber hinaus weiter Teile der islamischen Welt insgesamt – wesentlich. In Panahis Film erscheinen die Menschen seltsam „verrutscht“. Sie scheinen als jemand zu handeln, der sie aber eigentlich nicht sind: Beginnend beim Taxifahrer selbst, der eigentlich ein Filmemacher ist. Was ist die Ursache, dass sie zum Außenseiter geworden sind? Haben sie als Bürger ein Problem in einer Republik, die sich in religiöser Dimension legitimiert? Eine launige Antwort könnte man in Gestalt der beiden Frauen sehen, die ein Goldfischglas transportieren und in der Zwangsvorstellung leben, sie müssten sterben, wenn ihre zwei Fische nicht bis zwölf Uhr zur Ali-Quelle gebracht sein würden. Und im Kern der Ausführungen der redseligen Nichte des Taxifahrers – also Panahis selbst – wird ganz naiv die Unvereinbarkeit einer staatlich verordneten islamischen Moral mit einem guten Film angesprochen. Haifa al-Mansoor wird deutlicher: Der Wunsch Wajdas, ein Fahrrad zu besitzen, ist bestenfalls unschicklich. Indem ihre Mutter aber ihr ein Fahrrad schenkt, verstößt sie gegen ein Gebot, das aus der Religion abgeleitet wird. Dies als Protest gegen die zweite Eheschließung ihres Mannes, die ihm vom Gesetz eben dieser Religion gestattet ist.

Während Friedrich II. von Preussen im Europa der Aufklärung mit seinem Freund Voltaire über die Religions- und Meinungsfreiheit parlierte und das rückständige Agrarland radikal reformierte, galt in seinem Königreich weiter die Leibeigenschaft, und straffällige Soldaten wurden beim Spießrutenlaufen zu Tode gehetzt. Während in Saudi-Arabien noch Blogger demütigend gegeißelt und Menschen öffentlich hingerichtet werden, studieren jährlich zehntausende junger Saudis – Frauen wie Männer - an ausländischen Universitäten (in Deutschland sind es gegenwärtig 2000), haben Frauen jüngst aktiv wie passiv an Kommunalwahlen teilgenommen und haben ihren Platz in der Beratenden Versammlung (d.h. einer Art Parlament). Dieser Tage hat die Regierung Saudi-Arabiens die Schließung der König-Fahd-Akademie in Bonn verkündet (sie war in früheren Zeiten gelegentlich wegen fragwürdiger Lehrinhalte in die Kritik geraten). Da Deutschland über eines der weltweit besten Bildungssysteme verfüge und Saudi-Arabien davon lernen könne – so der saudische Botschafter -, sehe die Regierung in Riyadh keine Notwendigkeit mehr für eine saudische Schule in Deutschland. Insbesondere sei auch die „Ermächtigung der Frau“ Teil der „Vision 2030“, eines Programms tiefstgreifender Umgestaltung des Landes. Fast 15.000 Menschen haben in den letzten Tagen in Saudi-Arabien eine Petition unterschrieben, in der König Salman aufgefordert wird, das System der Vormundschaft über Frauen abzuschaffen. Saudischen Frauen solle das Recht gewährt werden, eigenständig Entscheidungen zu treffen und zu handeln – etwa in Sachen von Arbeit und Reisen -, ohne dazu die Zustimmung eines männlichen Vormunds einholen zu müssen.

Im Rahmen der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro haben erstmals Athletinnen aus Saudi-Arabien teilgenommen. Ihre Delegation wurde von Rima Bint Bandar Al Sa’ud angeführt, der stellvertretenden Ministerin für Jugend und Frauensport. Und in Freiburg ehren wir heute Haifa al-Mansour, die erste Filmemacherin eines vollständig in Saudi-Arabien produzierten Spielfilms. Und auch noch eines kritischen.

Die Freibürger Kantstiftung hat mit der Verleihung des Kant-Weltbürger-Preises an Haifa al-Mansur und Ja’far Panahi ihrer Selbstverpflichtung entsprochen: der Förderung mutiger und unabhängiger, kritisch-aufklärender Öffentlichkeitsarbeit und Erziehung zum Schutz von Frieden, Menschenrechten, und Demokratie. Sie hat ein Zeichen gesetzt und kenntlich gemacht, wo wir stehen. Mehr können wir, sollten wir auch nicht tun. Die Gestaltung der Zukunft liegt in den Händen der Bürger und Bürgerinnen Irans und Saudi-Arabiens. Sie selbst haben zu entscheiden, wie sich die Elemente der Aufklärung in Europa und die Linien ihrer eigenen Traditionen mit Blick auf die Zukunft in Beziehung setzen.

Mit der Verleihung des Kantpreises hat die Stiftung aber auch uns selbst hier im freien Deutschland ein Zeichen gesetzt und zugleich eine Verpflichtung auferlegt: Auf andere Gesellschaften und Kulturen mit Respekt, der Bereitschaft zur Differenzierung und der Abwehr von Klischees zu blicken. Erst so werden wir uns selbst zu Weltbürgertum ermächtigen.


Freiburg i.Br. am 1. Oktober 2016

Udo Steinbach





Laudation of Haifa al-Mansur and Ja‘far Panahi in celebration
of the awarding of the 6th Immanuel Kant World Citizen Award

on 1 October 2016

The choice of this year’s awardees of the Kant World Citizen Award could not have been more of a surprise. In the perception of a broad public, not only in Germany, Iran and Saudi Arabia and the entire Middle East are not exactly deemed regions in which the light of Kant’s rationality, enlightenment, tolerance and regime of peace burns particularly brightly. Focussing on Europe’s neighbouring countries which, at present, experience a dramatic crisis bears evidence of truly cosmopolitan farsightedness. Many observers compare the Middle East with the times of the Thirty Years’ War in Europe. Domestic suppression, belligerent conflicts, instrumentalisation of religion, massive external interference – the victims are the people who flee by the millions.

What an optimism of the jury to search for light in this darkness; we admire their ingenuity to have found it in our awardees. These are lights which make the light at the end of the tunnel at least imaginable.

Ja‘far Panahi lives in the Islamic Republic of Iran; Haifa al-Mansour is a citizen of Saudi Arabia. The two countries couldn’t be more different even though they are neighbours, separated only by the Gulf. Iran is an ancient country; it has seen diverse cultures and religions; for more than 500 years it has been shaped by Shiite Islam. Saudi Arabia was founded in the second half of the 18th century; from the beginning it was coined by the conservative Sunnite Islam of the Wahhabiyya. The fact that the cities of Mecca and Medina are situated in its territory give the country’s leadership and society a special religious character.

The two nations went different ways in the 20th century: Iran went through two revolutions; both had the same objective: to shake off the dominance of the major Western powers and to establish constitutional, yes, democratic forms of government. The first (1905-1908), after trials and tribulations, ended in the establishment of the rule of the Pahlawi dynasty; the second (1978/79) was the overture to the erection of an Islamic republic. According to the principle of the “Rule of the Recognised Theologian” (Persian: vilayat-e faqih; Arabic: vilayat al-faqih) introduced by Ayatollah Khomeini the leadership in state and society is the responsibility of the religious leader and the high Shiite clergy.

The history of Saudi Arabia proceeded without the ruptures characterising Iran’s history. However, it does not have the wide historic horizon either. Even though the Kingdom was part of the Arab World which went through a period of awakening and upheaval between Iraq in the east and Morocco in the west from its foundation (1932) it isolated itself and the storms raging in the Arab World passed it by. King Abd al-Aziz ibn Sa’ud, the founder of the state, reigned as an absolute ruler until his death (1953); to the present day the Wahhabite theological establishment with its conservative Sunnite interpretation of Islam provides the ideological basis of rulership.

At one point, of course, the fates of the two countries meet: Petroleum – and for some decades also natural gas – are the basis of their economic existence. This fact, however, also determined the political and social space – and that in two respects: Internally, the rulers had and have the means at hand to place their position on a foundation accumulating from the petroleum revenues. “No taxation without representation” is the basic formula of democracy. However, where there is no taxation, where the income of the state originates from petroleum benefits, the citizens cannot raise any claim to participate in the government.

Nevertheless, the question of whether the petroleum has been a blessing or a curse for the societies of the Middle East also arises in a broader perspective. The involvement in global economy included a collision of political and cultural systems from the beginning. Economic development was not available without assimilation. What came up so technocratically under the catchword of “modernisation” was a dramatic collision of ancient order and cultural traditions with the political, social, and cultural “achievements” of the powers determining the market conditions. These “achievements” had a name: “the West“. Did modernisation mean assimilation and self-abandonment? How was the heritage to be preserved? For societies formed by Islam this was substantially the question for the place of religion. Was modernisation equivalent to secularisation? Would secularisation possibly even imply the disappearance of religion?

An Iranian intellectual, Dschalal Al-e Ahmed, described this collision as „ghargzadegi“, as “being defeated by the West”. This word could also be used as a heading for the state of wide parts of Arab societies in the 20th century. What are the options still available to the defeated: The Kemalist-Turkish devotion to western secular patterns? The Pahlawi dynasty in Iran also took this approach. So did Arab elites in Northern Africa and in the Middle East – albeit in a less radical form. At present, the violent struggle for the divine order on earth, “hakimiyyat Allah”, seems to be an option.

In Iran the people initiated a revolution and overthrew a ruler who seemed to be America’ puppet. The outcome is an „Islamic Republic“, a synthesis of a republican, i.e. modern order bound to the will of the people within Shiite-Islamic coordinates obliged to tradition. In Saudi Arabia it is particularly the religious establishment that opposes change. But the conflict between the powers pressing for change and the persisting powers of the old order has begun there too long since and gains dynamics.

These are the backdrops against which we locate our laureates: In their films, “Wajda” by Haifa al-Mansour and “Taxi Teheran” by Ja‘far Panahi. Not big politics is thematised. People with their grievances and hopes are in the focus; but also the ploys by which they seek to escape the limitations of their day-to-day life which are imposed on them by tight traditions or political bullying. No radical protests but expressions of unease; hints in the direction towards transformation.

Like in Europe, protests, changes and transitions found particularly powerful expression in two genres of art and literature in Iran and with the Arab people: narrative prose, i.e. novels and novellas; and – in the 2nd half of the 20th century – films. The centre of literary creativity in the Arab nations after World War I was initially Egypt. After the occupation by the British in 1882, the country was only nominally part of the Ottoman Empire and offered ideas and art forms from Europe relatively broad spaces for unfolding. Therefore it is hardly surprising that the only Arab Nobel Laureate in literature is Egyptian: Naguib Machfuz in 1988. Since then a literary explosion has shaken the Arab World. In narrative literature it is not the dull space Arab politics make it seem sometimes. Women today expose themselves as authors of a highly critical profile. In their novels taboos are broken which have held society captive for centuries. When bans are imposed means and places are found where a manuscript can be published. Literature in North Africa comes from France, in French, if publication in Arabic is impossible or not desired.

Saudi Arabia is not a place where critical literature is in vogue; which will come as no surprise after what was said before. But outside the country a lot of critical scripts were written. The best-known is probably the multi-volume panorama in which Abd ar-Rahman Munif describes the collapse that was associated with the intrusion of the oil economy in Saudi Arabia. The quote preceding the novel “Cities of Salt” could hardly be met with applause by those in power: “Cities of salt means cities that offer no sustainable existence. When the waters come in, the first waves will dissolve the salt and reduce these great glass cities to dust“.

Iran has a long tradition of epic narration. The justness of the ruler is a topic that mattered to the poets. For centuries Iranians lived with their great poets – the lyricists and the epicists. In a history of suppression and tyranny poetry was the light of the people. In the 20th century the novel replaced the epos. Apart from the escape from the world – like with Iran’s probably best-known narrator, Sadek Hedayat – the suffering from suppression and alienation has become another major topic of contemporary authors – like with Mahmud Doulatabadi. Like their Arab colleagues, Iranian authors also had to cope with bans. Many critical narratives were circulated secretly or published abroad. The courage and insistence with which a self-confident writer’s guild comes forward again and again are a distinct expression of the close attachment of the Iranians to literature. Here, both the freedom of literature and the freedom of the writer from writing bans and prison are at stake.

Nevertheless –literature as an expression of ideas, critique, and the state of mind of the people in their society is only welcomed by a limited audience. Films find a distinctly wider distribution and have a more powerful impact. This applies both to Iran and to numerous other Arab countries – Saudi Arabia, of course, still has a long way to go in this respect. The Iranian public worships its great film makers like saints. On 7 July of this year Abbas Kiarostami died, one of the most important directors of artistic films in Iran. “Sadness lies on the city’s shoulders” was the headline of the daily “Schahrwand” published in Teheran. Several thousand admirers of the film maker took part in the mourning ceremony. The success of Iranian films at numerous international contests abroad filled the Iranian fans with pride. This is one side of the coin.

The other side is reflected in the fact that Ja’far Panahi cannot be present today to personally accept the award. A travel ban was imposed on him. Because to the conservative circles of the political system of the Islamic Republic any film is suspicious. They want a positive message unconditionally supportive of the system. The people’s sorrows, the private domain outside the sphere of religion, the escape from the public into the intimate, the distance from the slogans of those in power – all of this seems subversive to them. To them, it seems to be an attempt to undermine the foundations of a system shaped by religion. Also, ideas from the West, particularly from the USA, the “great Satan”, could be imported by films. Panahi‘s films, like his film „Taxi Teheran“, are examples to this end. Censorship, occupational bans, prison, bans on leaving the country are the reaction. This is also the case if the films come in a humorous wrapping – like “Taxi Teheran” or – even funnier – “Offside”, a film telling the story of young women who, contrary to bans, attempt to sneak into the stadium to watch the football match Iran against Bahrain. How different perception can be between the film makers and the audience on the one side and the representatives of the regime on the other also became apparent in the case of the film “Taste of Cherry” by Kiarostami which was awarded the Palme d’Or in Cannes. It is about an Iranian intending to commit suicide and searching for someone who will bury his body. From the perspective of the director the film is a song of praise to life; in conservative circles in Iran, in contrast, it was officially interpreted as an encouragement to commit suicide and rejected as harmful. Therefore there was hardly any response to Kiarostami’s death among them.

In the Arab world as well films are met with intense public interest. Particularly Egyptian films have a high entertainment value and find distribution everywhere. But the Arab film also knows the critical analysis of society. Saudi Arabia is still an exception; in the country shaped by Wahhabite Islam, films as an art form and as a medium of a critical debate of politics and society are still not really accepted. There are no public movie theatres; those who wish to go to the cinema have to travel to the neighbouring small Emirates. And yet movie theatres definitely found their way into the country with the development of the land by American petroleum companies starting in the 1930s: However, they were a thorn in the side of the religious establishment from the beginning – like anything that is not in conformity with Koran or with conservative Islamic tradition. The opening process of the country was thorny; and anything from “the West” was met with rejection. The introduction of television required the emphatic persistence of King Faisal. When he was murdered in 1974 and the Great Mosque in Mecca was occupied by Wahhabite fanatics who also accused the royal family of treason and the defection from true Islam in 1979 the state reacted defensively to the pressure exerted by the theologians; the country isolated itself again. Symbolic of this was also a ban on publicly running a movie theatre. The only way to watch films was in the privacy of one’s home.

Haifa al-Mansour accomplished a minor revolution with “Wajda”. With good reason the fact that the film is the first feature film completely produced in Saudi Arabia is emphasised time and again. When in the end of the film the girl Wajda cycles out into the country on the green bicycle she was desirous of for such a long time then it can be expected that women in Saudi Arabia will soon be allowed to drive cars. Wajda got the money for the bicycle from her mother; a gesture of rebellion against her husband’s, the girl’s father’s, taking a second wife without her consent. And subtle critique of tradition. Like “Taxi Teheran”, “Wajda” is a socio-critical film.

Despite all differences between the historical, political, social, and cultural background in Iran and Saudi Arabia the two films have many things in common. On the one hand, the sacrifice of the dramatic revolutionary gesture. The message comes along gently; and the great demands for a fundamental change of the regime or the political system are not made. The bitter grief – for example Wajda‘s mother’s about her husband‘s second wife – appears almost silent, yet impossible to ignore. And the problems of the taxi’s passengers also have a humorous punchline. Panahis film “Offside” is screamingly funny and yet contains a conclusive and unmistakable argument for the equality of dignity and rights of women and men. Behind it is the conviction that, given the situation, subversive demands are useless, yes, that they play into the hands of the hardliners and would rather cement the systems. Change will, in the end, come sneaking in. And the prevailing order will not be completely discarded; it also has acceptable features. The protests of the Green Movement in Iran of 2009 which Panahi supported demanded reforms and not a radical change of regime.

Another thing our two laureates have in common is the focus on the role of the women: in both societies, the Saudi Arabian and the Iranian, they face exceptional challenges. They have to hold their ground in environments dominated by men. Therefore it is remarkable that “Wajda” was made by a woman. (In Iran as well woman play an important role in cinematic art.) “Wajda” is about issues which are particularly relevant for women: According to the Islamic moral concepts prevailing in Saudi Arabia they may not ride bicycles. This also applies to Iran (where, of course, in contrast to Saudi Arabia, they may drive cars). And it is rebellion that Wajda’s mother who has to accept that her husband marries a second wife fulfils the girl’s wish and gives her a bicycle as a present. Panahi lets a known campaigner for women’s rights, Nasrin Sotudeh, get into his taxi on her way to a client. She had attempted to watch a volleyball game with friends and is therefore in custody awaiting trial. Actually, many women advocate for the implementation of human rights in Iran and fight battles that place them in danger. Shirin Ebadi was awarded the Nobel Peace Price for this reason in 2003. The fact that she didn’t wear a headscarf at the award presentation was is met with critique and outrage in Iran. She presently lives in England. And beyond films, a look at Iranian and Arab societies – also the Saudi Arabian – reveals that the women are the pillars of change; ultimately it is them who have more to gain than men. They have long chosen the way through education which is open to them. The realisation of women’s rights is the benchmark for the extent of transition in both societies.

A crucial part of the future of Islamic societies belongs to the women. However, it also belongs to the children (again the female ones among them). In this regard as well, Haifa al-Mansour and Ja’far Panahi are close to each other. Panahis niece whom he collects from school by taxi is to make a film as a homework. And while she shoots images from the car, she contemplates about the limitations Islamic morale imposes on film makers. And Wajda’s mother gives her daughter the “immoral” bicycle as a present while holding the belief that, as a grown-up woman, she will once live in a society in which overcome moral concepts will no longer be an obstacle to the recognition of the dignity of women – also with regard to polygamy.

There is something else the two laureates have in common: They come from deeply contradictory societies. Yes, it is a fact that the number of executions per year in Iran is the second highest in the world. In Saudi Arabia as well, executions – even public ones – are a daily fare; and people, men as women, who went against a so-called “Islamic moral” get dishonourably whipped. But at the same time transition has begun long ago. Their films would not have been possible without areas of freedom in the political and social domain without which it is impossible to make such films. In Iran the battle for the freedom of the arts is in full swing. While the conservatives attempted to pretend that the death of Kiarostami had never occurred State President Ruhani twittered that Kiarostami had called for peace and friendship in his works. “We will always remember … his profound and unconventional attitude.” And the Minister of Education, Ali Dschannati, declared the film maker “an avant-gardist with the aspirations of a humanist and moralist”. And therefore we understand the fact that Ja’far Panahi cannot be with us in Freiburg today not as an expression of a verdict of Iranian society against him and his profession, but as part of a continuing struggle for the future of Iran which has taken hold of all areas of public and private life, and particularly also artistic work.

One question appears in the background, is, however, not openly and directly brought up: The question as to the role of religion in society. The answer, though, is important for the future of both societies, both the Iranian and the Saudi Arabian – and above that of wide parts of the entire Islamic world. In Panahi‘s film people seem strangely “out of place”. They seem to act like someone they actually aren‘t: Starting with the taxi driver himself who is rather a film maker. What is the cause of them becoming misfits? Do they have a problem as citizens in a republic which legitimises itself in a religious dimension? A humorous answer could be seen in the guise of the two women who transport a goldfish bowl and live in the obsession they would have to die if their two fish were not brought to the Ali well until twelve o’clock. And in the centre of the deliberations of the taxi driver’s talkative niece – also Panahi‘s own – the incompatibility of a governmentally decreed Islamic moral and a good film is quite naively addressed. Haifa al-Mansoor is bolder: Wajda‘s desire to own a bicycle is, at best, indecent. However, by giving her a bicycle as a present, her mother violates a dictate derived from religion. And that in protest against her husband’s second marriage which is permitted to him by the laws of precisely this religion.

While Frederick II of Prussia discussed the freedom of religion and expression with his friend Voltaire and radically reformed the backward agrarian country in the Europe of Enlightenment serfdom continued to exist in his kingdom, and delinquent soldiers were hunted to death running the gauntlet. While in Saudi Arabia bloggers are still humiliatingly flogged and people are publicly executed tens of thousands of young Saudi Arabians – women like men – study at universities abroad (in Germany there are presently 2,000), women recently actively and passively participated in local elections and have their place in the Advisory Commission (i.e. a kind of parliament). These days the government of Saudi Arabia announced the closure of the King Fahd Academy in Bonn (it had, in previous times, occasionally come under criticism because of questionable teaching contents). As Germany had one of the best educational systems worldwide and Saudi Arabia could learn from it – explained the Saudi Arabian Ambassador – the government in Riyadh did no longer see any need for a Saudi Arabian school in Germany. In particular, the “Empowerment of Women” was also part of the “Vision 2030”, a programme of the most profound transformation of the country.

Within the scope of the Olympic Games in Rio de Janeiro female athletes from Saudi Arabia participated for the first time. Their delegation was led by Rima Bint Bandar Al Sa’ud, the Vice Minister for Youth and Women’s Sports. And today in Freiburg we honour Haifa al-Mansour, the first film maker presenting a feature film completely produced in Saudi Arabia. And it is a critical one too.


With the awarding of the Kant World Citizen Award to Haifa al-Mansur and Ja’far Panahi the Freiburger Kant Foundation was consistent with its self-commitment: the encouragement of courageous and independent, critically enlightening public relations work and of education to the protection of peace, human rights, and democracy. It set an example and made it clear where we stand. More we cannot and should not do. The shaping of the future lies in the hands of the citizens of Iran and Saudi Arabia. They have to decide for themselves how the elements of enlightenment in Europe and the lines of their own tradition will correlate with a view to the future.

With the awarding of the Kant Award, however, the Foundation has also set an example here in our free Germany, and at the same time imposed an obligation: To look at other societies and cultures with respect, the willingness to differentiate and to fend off stereotypes. Only in this way we will empower ourselves to world citizenship.


Freiburg i.Br., 1 October 2016

Udo Steinbach